Museumsbesuch – Völkerschlachtdenkmal Leipzig

Visiting a museum – Monument to the Battle of the Nations

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Im Januar diesen Jahres hatte ich einen Termin in Leipzig. Bis dahin war es mir nur vergönnt gewesen auf dem Messegelände zu sein, doch diesmal blieb noch Zeit für andere Dinge. Untergebracht war ich unweit des Völkerschlachtdenkmals auf historischem Boden. Ich mietete mich im Brauereigasthof Napoleon ein, der von sich behaupten konnte, dass Napoleon in seinen Gebäuden während der Schlacht zu gegen war. Gutes (selbstgebrautes) Bier, leckeres Essen und rings um mich herum die Rekonstruktionen historischer Uniformen.

In January of this year I had an appointment in Leipzig. Until then, I had only been allowed to be at the fairground, but now there was still time for other things. I was housed on historical ground not far from the Battle of the Nations Monument. I stayed in the Brewery Inn Napoleon, who could claim that Napoleon was in this Buildings during the battle. Good (home-brewed) beer, delicious food and all around me the reconstructions of historical uniforms.

Am Abreisetag machte ich noch einen Abstecher zum Denkmal, ohne richtig zu wissen, was mich da erwartete. Im ersten Bild sieht man schon die immensen Dimensionen des Denkmals, ganz im Stil und Sinne der Zeit. Wilhelminisch eben. Zu den Füßen des Erzengels Michael – dem Patron der deutschen Soldaten – betrat ich das Gebäude.

On the day of departure, I made a detour to the monument, without knowing  what to expect. In the first picture you can already see the immense dimensions of the monument, in the style and sense of the time. Wilhelminian just. At the feet of Archangel Michael – the patron saint of German soldiers – I entered the building.

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Hier könnt Ihr sehen, wie das „Gebäude“ aufgebaut ist. Leider war der Tag sehr nebelig und die Sicht nicht gut. Allerdings war das nicht ganz so dramatisch, denn aufgrund von Renovierungsarbeiten war die obere Aussichtsplattform geschlossen. Ich konnte deswegen nur bis auf den mittleren Aussenrundgang steigen.

Here you can see the „buildings“ construction. Unfortunately, the day was very foggy and the view was not good. However, that was not quite as dramatic as the upper observation deck was closed due to renovations. That’s why I could only climb up to the middle outer route.

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Im Innenbereich kommt sich der Besucher vor wie ein Zwerg unter Giganten, oder geradeso wie die Hobbits in Moria. 🙂 Umgeben von imposanten Kolossalstatuen wandert man in den Hallenebenen und lässt alles auf sich wirken. Im Eintrittspreis ist übrigens nicht nur das eigentliche Denkmal enthalten, sondern auch das am Fuße des Ensembles liegende Museum, das die Schlacht von 1813 thematisiert.

Inside, the visitor feels like a dwarf among giants, or just like the hobbits in Moria. 🙂 Surrounded by imposing colossal statues you walk in the hall levels. Incidentally, the entrance fee includes not only the actual monument, but also the museum at the foot of the ensemble, which focuses on the battle of 1813.

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Im Eingangsbereich des kleinen, aber sehr, sehr feinen Museums betritt man die Welt der Artillerie. Das erste was ins Auge sticht ist eine Raketenlafette, mitsamt Geschoss! Aus dem ersten Stock gelang mir ein sehr gutes Bild, das die Dimensionen dieser Waffe vor Augen führt. Als Kriegswaffe von Generalmajor Congreve entwickelt, wurde sie in Leipzig das erste Mal als Offensivwaffe in einer Feldschlacht eingesetzt. Die Reichweite der Raketen betrug bis zu 900 Meter.

At the entrance of the small but very fine museum you enter the world of artillery. The first thing that stands out is a rocket carriage, complete with projectile! From the first floor I managed to get a very good picture that shows the dimensions of this weapon. Developed as a weapon of war by Major General Congreve, it was used in Leipzig for the first time as an offensive weapon in a field battle. The range of the rockets was up to 900 meters.

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Ausgestellt sind neben einem Coehorn-Mörser noch zwei Geschützrohre. Eines aus Frankreich und eines aus dem Königreich Westphalen. Beide wurden mit vernagelten Zündlöchern in einem Brunnenschacht in der Leipziger Vorstadt gefunden. Drohte die Stellung der Artilleristen überrannt zu werden, dann „vernagelten“ diese die Geschütze mit großen Nägeln, die auf dem Schlachtfeld nicht mehr entfernt werden konnten. Bei den Kanonen handelt es sich um 6-Pfünder. Französischen Angaben zufolge feuerte ihre Artillerie in den Tagen vom 16. bis 19. Oktober etwa 250.000 Schuss ab!

Next to a coehorn mortar there were two gun barrels. One from France and one from the Kingdom of Westphalia. Both were found with nailed firing holes in a well in the suburb of Leipzig. Threatened to be overrun the artillery soldiers „nailed“ the guns with large nails that could not be removed on the battlefield. The cannons are 6-pounders. According to French sources, their artillery fired about 250,000 rounds during the days of 16-19 October!

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Der erste Teil der Ausstellung beschäftigt sich u. a. mit dem Rheinbund und dessen Kräften die Napoleon in Leipzig unterstützten. Zu sehen ist links die (Original) Uniform eines westphälischen Linieninfanteristen und rechts die Bärenfellmütze eines sächsischen Gardegrenadiers. Die Waffen um die Mütze sowie die Trommel sind preußischen Ursprungs.

The first part of the exhibition deals with the Confederation of the Rhine and its forces allied with Napoleon at Leipzig. On the left you can see the (original) uniform of a Westphalian line infantryman and on the right the bearskin cap of a Saxon Grenadier Guard. The weapons around the cap and the drum are of Prussian origin.

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Links seht ihr den Versuch einer Rekonstruktion der Uniform der Bürgergarde Leipzigs, die vom französischen Stadtkommandanten aufgestellt wurde um für Ruhe und Ordnung innerhalb der Stadt zu sorgen. Rechts ist die Rekonstruktion des Lützowschen Freikorps.

On the left you can see the attempt to reconstruct the uniform of the Buergergarde Leipzig, which was set up by the French city commander to ensure peace and order within the city. On the right is the reconstruction of the Lützow Free Corps.

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Hier ist, neben der ausgestellten Uniform, die Büchse eines preußischen Jägers (1. Pommersche Infanterieregiment) zu sehen. Dazu noch der Orden des Eisernen Kreuzes der von Friedrich Wilhelm III zur Motivation zum Kriegsdienst gestiftet wurde. Die rechte Vitrine zeigt den Dolman und Pelz der Freiwilligen Jäger zu Pferd, eine Offiziersmütze und den Hut eines Generals. Links oben im Bild der am weitesten verbreitete Kavalleriesäbel (Modell 1811), der sogenannte Blüchersäbel, des Krieges.

Here, next to the uniform on display, is the rifle of a Prussian Jaeger (1st Pomeranian Infantry Regiment). In addition the Order of the Iron Cross which was donated by Friedrich Wilhelm III to motivate the people to the war service. The right showcase shows the Dolman and furs of the Volunteer Jaeger on horseback, an officer’s cap and the hat of a general. At the top left of the picture the most common cavalry saber (model 1811), the so-called Bluecher saber, of the war.

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Neben den Pistolen (oben russisch, darunter österreichisch), wurden auf dem Schlachtfeld auch die Kosakenpeitsche und ein kleiner Taschenaltar (ebenfalls russisch) gefunden. Der kurze Karabiner ist eine Waffe russischer Kavallerie und der Säbel sowie das lange Gewehr stammt aus dem Besitz schwedischer Truppen. Das exotische, aus dem osmanischen Kulturkreis stammende, Gewehr ist den zaristischen Truppenteilen wie Baschkiren und Kalmücken zuzuordnen.

In addition to the pistols (above Russian, below Austrian), the Cossack whip and a small pocket altar (also Russian) were found on the battlefield. The short carbine is a weapon of Russian cavalry and the saber as well as the long rifle comes from the possession of Swedish troops. The exotic, originating from the Ottoman culture, rifle is assigned to the tsarist units such as Bashkir and Kalmyk.

Pistole

Im Bild links ist der Uniformrock des preußischen Elbe-National-Kavallerie-Regiments zu sehen. Die Säbeltasche wiederum gehört zu einem Husaren. Der Tschako (Mütze) auf der linken Seite war die Kopfbedeckung eines preußischen Artilleristen und der Kürrasierhelm zu dessen rechten ist aus Leder und mit Rosshaar geschmückt. Die Knochen sind, aufgrund der (geringen) Größe einem russischen Kosakenpferd zugeordnet. Die Durchsetzung der Knochen mit Artilleriegeschossen legt die Vermutung nahe, dass es durch Kanonenbeschuss starb. Die Trommel im rechten Bild ist holländischen Ursprungs und das Gewehr aus England. Diese Waffen wurden 1813 an die preußische Armee geliefert. Der österreichische Kürassier-Pallasch war zum Zeitpunkt der Schlacht schon über 50 Jahre alt, wurde aber vermutlich bei der Landwehr eingesetzt. Der Helm gehörte zum russischen Garde-du-Corps.

The picture on the left shows the uniform of the Prussian Elbe-National-Cavalry-Regiment. The saber pocket belongs to a hussar. The shako (cap) on the left side was the headgear of a Prussian gunner and the Cuirrassier helmet on the right was made of leather and is decorated with horsehair. The bones are due to the (small) size associated with a Russian Cossack horse. The enforcement of the bones with artillery projectiles suggests that it died by cannon fire. The drum in the right picture is of Dutch origin and the rifle from England. These weapons were delivered in 1813 to the Prussian army. The Austrian Cuirassier Pallasch was already over 50 years old at the time of the battle, but was probably used by the Landwehr. The helmet belonged to the Russian Guard-du-Corps.

Preussen

Ganz dunkel gehalten sind Uniformteile sächsischer Soldaten. Der Rock gehört einem Artilleristen, der Tschako einem Infanteristen und die Patronentasche einem Jäger. Der prächtige Säbel wird allerdings bei einem Offizier des Rheinbundes verortet. Am Fuße der Vitrine sind verschiedene Artilleriegeschosse zu sehen. Der imposante Offizierskürass stammt aus älterer Zeit, wurde aber für die Schlacht wieder kriegstauglich gemacht. Der Panzer, der Säbel und der Raupenhelm (mit Bärenfell) gehörten ebenfalls zu sächsischen Einheiten.

These uniform parts of Saxon soldiers are kept dark. The uniform belongs to an artilleryman, the shako to an infantryman and the cartridge case to a Jaeger. The magnificent saber is, however, located by an officer of the Rhine Confederation. At the foot of the showcase are various artillery projectiles. The imposing officer’s armor dates back to ancient times, but was made fit for war again. The cuirass, the saber and the helmet (with bearskin) also belonged to Saxon units.

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Und nun kommen wir nach Frankreich. Die erste Vitrine zeigt von links nach rechts einen Säbel der Jäger, eine Säbel der Gardegrenadiere zu Pferd und schließlich das Standardgewehr der Infanterie sowie den Karabiner der Kavallerie. Polnische Einheiten an der Seite Napoleons trugen die Pelzmütze. Von Litauern stammt die Patronentasche und aus Portugal und England die beiden Pistolen. Das Gewehr gehört bayerischer Infanterie.

And now we are in France. The first showcase shows from left to right, a saber of the Jaeger,  a saber of the Grenadiers Guard on horseback and finally the standard rifle of the infantry as well as the carabiner of the cavalry. Polish units on the side of Napoleon wore the fur cap. From Lithuanians comes the cartridge case and from Portugal and England the two pistols. The rifle belongs to Bavarian infantry.

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Der blaue Uniformrock und der Säbel gehören einem französischen Linieninfanteristen und der Tschako einem Infanterieoffizier der jungen Garde. Die Bärenfellmütze wurde von einem Gardegrenadier des Königreichs Italien getragen. Am Boden der ausgestellten Stücke ist ein Amputationsbesteck aus französischen Beständen zu sehen. Einem Karabinier ist der Kürass zugeordnet, genauso wie der grazilere Säbel. Das schwerere Pendant gehörte zur Linienkavallerie. Der Helm mit Leopardenfell wurde von einem Dragoner getragen.

The blue uniform and the saber belong to a French line infantryman and the shako to an infantry officer of the young guard. The bearskin cap was worn by a guard grenadier of the Kingdom of Italy. At the bottom of the exhibited pieces you can see an amputation set of French origin. A carabinier is associated with the cuirass, as well as the delicate saber. The heavier counterpart belonged to the line cavalry. The leopard-skin helmet was worn by a dragoon.

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Soviel zu den Ausstellungsstücken. Bei den meisten Exponaten handelt es sich um Originalstücke, nur wenige sind rekonstruiert. Interessant ist auch eine Fernsehübertragung (in Dauerschleife), die die öffentlichen Rundfunkanstalten zur 200-Jahr-Feier produziert haben. Im Nachrichtenformat, inkl. Interviews mit den Befehlshabern und normalen Soldaten, zeigt es mit eingeschnittenen Reenactment-Szenen über etwa eine viertel Stunde hinweg die Kampfhandlungen von 1813. Sehr pfiffig gemacht!

So much for the exhibition. Most of the pieces are original, only a few are reconstructed. Also interesting is a television broadcast (in continuous loop), which was produced by the public broadcasters to the 200-year celebration. In the news format, including interviews with the commanders and regular soldiers, it shows the combat operations of 1813 with incised re-enactment scenes for about a quarter of an hour. Very clever done!

TV

Richtig toll war schließlich noch ein großes Diorama (Maßstab 1:72) des russisch-preußischen Angriffs auf das Dorf Probstheida am 18. Oktober 1813. Es ist nur ein Ausschnitt gezeigt, denn Napoleon besetzte diese Schlüsselstellung mit 8000 Soldaten. Hier ist auch der Gasthof zu sehen in dem ich logierte. 😉

Really fantastci is a great diorama (scale 1:72) of the Russian-Prussian attack on the village of Probstheida on 18 October 1813. Only a section is shown, for Napoleon occupied this key position with 8,000 soldiers. Here is also the Inn to see in which I stayed. 🙂

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Soweit ein kleiner Ausblick in das Völkerschlachtdenkmal. Ich empfehle historisch interessierten Personen einen Besuch wenn sie sich in der Stadt befinden! Für Hobbyisten der Zeit um Napoleon ist es auf jeden Fall ein „Muss“!

So far a small view into the Battle-of-the-Nations-monument. I recommend a visit to historically interested People when they are in the city! For hobbyists of this period it is definitely a „must“!

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Autor: P.

Als Mittvierziger (zum Zeitpunkt der ersten Veröffentlichung hier) sind die Filmplakate die sich auf der Startseite des Blogs befinden, "Kunstwerke" die meine Kindheit und Jugend geprägt haben. Dort sind wohl die Wurzeln meines Hobbys zu verorten. Schwarz-Weiß ist heute noch genauso beliebt, wie es in meiner Kindheit noch solche Übertragungsgeräte gab. ;) Und das Schöne an der Sache ist, es gibt dazu auch die passenden Spiele-Settings! Besucht meine Seite :) : https://histofantasyandpulp.wordpress.com/

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