Museumsbesuch – Elsass (1): Suisse Lippique

Visiting a Museum – Alsace (1): Suisse Lippique

GB

Im April waren auch Osterferien. Nachdem ich mich März und Anfang April in der Familie rar gemacht habe, war es notwendig, ausgefallene Familienzeit nachzuholen. Wir fuhren für einige Tage ins nicht weit entfernte Elsass, genauer gesagt in die Umgebung von Mulhouse. Dabei machten wir auch einen Abstecher auf den Grand Ballon, der höchsten Erhebung dieses schönen Landstrichs (einen Teil des Panoramas könnt Ihr oben auf dem Bild sehen). Wir hatten zumeist strahlenden Sonnenschein, doch ab und an wurden wir auch mit Schneewolken konfrontiert. Bei einer unserer Wanderung stießen wir dann unversehens auf Hinterlassenschaften einer bösen Zeit, die ich Euch heute präsentieren möchte – die Suisse Lippique und die Himmelsleiter.

In April were also Easter holidays. Having only few time for family in March and April, it was necessary to make up for the rare family time. For a few days we drove to the nearby Alsace, more precisely to the surroundings of Mulhouse. We also made a detour to the Grand Ballon, the highest elevation of this beautiful part of France (you can see a part of the panorama at the picture above). Most of the time we had bright sunshine, but now and then we were also confronted with snow clouds. During one of our hikes, we were struck by the ambiguities of an evil time that I would like to present to you today – the Suisse Lippique and the Himmelsleiter.

Wir wollten ein wenig durch die Vogesen wandern und der strahlende Sonnenschein, bei Temperaturen um die 12°C – 15°C luden dazu ein. Wanderwege sind in dieser Gegend zuhauf ausgezeichnet und so suchten wir uns einen „kleineren“ Berg aus, den Hirzenstein. Was uns nicht bewusst war ist, dass die Gegend hier im 1. Weltkrieg ein stark umkämpftes, blutgetränktes Stück Erde war. Der Hirzenstein gehörte mit dazu, war er doch eine Etappe zum Hartmannswillerkopf. Den wollten wir ein paar Tage später besuchen. Am Parkplatz angekommen, standen wir plötzlich vor diesem Schild. Alle darauf zu sehenden Dreiecke stellen Stützpunkte und Festungen der deutschen und französischen Armee dar.

We wanted to have a little hike through the Vosges and the sunshine and temperatures around 12°C – 15°C were inviting. The hiking trails are excellent in this area, so we looked for a „smaller“ mountain, the Hirzenstein. What we were not aware of is that the area here was a strongly contested, blood-soaked piece of earth in World War I. The Hirzenstein was a stage to the Hartmannswillerkopf. We wanted to visit this one a few days later. At the parking lot, we suddenly stood before this sign. All the triangles to be seen are the bases and fortresses of the German and French armies.

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Dieser Kartenausschnitt zeigt unsere Wanderroute: Vom Ausgangspunkt (Vous etes ici) ging es über einen Waldweg hin zur „Suisse Lippique“, dann zum ‚Unteren Rehfelsen‘, weiter zum ‚Mittleren Rehfelsen“, bis hin zur „Himmelsleiter“ und zum „Aussichtsfelsen“. Wir wussten nicht, was uns erwarten würde. Weder die Strecke, noch die Sehenswürdigkeiten. Schließlich war der Konflikt schon fast 100 Jahre zu Ende und die großen Schlachtfelder lagen woanders. Weit gefehlt!

This map shows our walking route: From the starting point (Vous etes ici) we went over a forest path to the „Suisse Lippique“, then to the „Unterer Rehfelsen“, to the „Mittlerer Rehfelsen“, to the „Himmelsleiter“ and the „Ausichtsfelsen“. We did not know what to expect, neither the route, nor the things to come. After all the conflict was almost over for 100 years, and the big battlefields were somewhere else. But we were wrong!

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Wir waren kaum in den Waldweg eingebogen, erwartete uns zu unserer rechten Seite ein massiv gemauerter Unterstand. Dieser gehörte zu einer Batterie von deutschen Minenwerfern, die aus geschützten und gemauerten Stellungen aus die französischen Linien beschossen. Über den Weg wurden auch Truppenverstärkungen und Nachschub herangeführt, so dass die französische Artillerie immer wieder Störfeuer schoss. Zum Schutz der Truppen wurden feste Unterstände in den Berg gegraben und gesprengt. Am Ende des Krieges blieb sehr viel erhalten. Teilweise (wie diese Minenwerferstellung) wurden manche Plätze rekonstruiert. Trotzdem ist alles mit Vorsicht zu besichtigen. Der Zahn der Zeit nagt überall und abseits der Wege sind immer noch gefährliche Überbleibsel im Boden versteckt.

Shortly after we entered the forest path, a massive concrete building occured. It belonged to a battery of German Minenwerfer, who fired at the French lines from sheltered and bricked positions. Along the way were fortified troop shelters to protect replenishments against French artillery fire. For the protection of the troops fixed dugouts were carved and blasted into the mountain. At the end of the war much remained. Partially (like this Minenwerfer position) some places were reconstructed. Nevertheless you should visit this place with caution. The tooth of the time gnaws everywhere and off the roads are still hiding vestiges left in the ground.

Kurz bevor wir den Bereich „Suisse Lippique“ erreichten, kamen wir an diesem Gedenkstein vorbei. Beachtet bitte den Stacheldraht und die Eisenarmierungen an denen vor Jahrzehnten der Draht befestigt war. Überall (!) im Wald waren diese Überbleibsel noch zu finden. Wo immer sich Befestigungen und Schützengräben befanden, blieben sie zurück. Die am Hirzenstein gefallenen französischen und deutschen Soldaten wurden kurz nach dem Krieg in offizielle Kriegsgräberfriedhöfe umgebettet.

Just before we reached the „Suisse Lippique“ area, we passed this memorial. Please pay attention to the barbed wire and the iron armor to which the wire was attached decades ago. Everywhere (!) In the forest these remains were still to be found. Wherever there were fortifications and trenches, they stayed behind. The French and German soldiers that died on the Hirzenstein were transfered to official war grave cemeteries shortly after the war.

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Und dann kamen wir an den Abschnitt „Suisse Lippique“ an. Spätere Recherchen meinerseits haben ergeben, dass dieser Graben-/Befestigungsabschnitt nach oder von deutschen Soldaten benannt wurde, die aus der Gegend um das Fürstentum Lippe (heute Nordrhein-Westfalen) kamen. Als wir die Gräben betraten mussten wir steil bergauf und Ihr könnt am Bild mit meiner Tochter (11 Jahre alt) sehen, wie breit – oder schmal – die Gräben angelegt waren. Auf beiden Seiten sind sie gemauert bzw. betoniert!

And then we came to the section „Suisse Lippique“. Subsequent searches on my part showed that this trench/fortification section was named after or by German soldiers who came from the area around the Principality of Lippe (now North Rhine-Westphalia). When we entered the ditches we had to climb up steeply and you can see the picture with my daughter (11 years old) how wide – or narrow – the trenches were laid out. On both sides they are bricked or concreted!

Immer steiler zog sich die Grabenlandschaft nach oben. Trotz der angenehmen Wandertemperaturen kamen wir ganz schön ins Schwitzen. Immer wieder gingen Laufgräben aus den befestigten Linien ab. Auch wenn sich die Natur schon sehr viel zurück geholt hat, sind die Gräben, aber auch die Granattrichter noch gut zu sehen.

Steadily, the ditch landscape was rising. Despite the pleasant temperature during the hikes, we sweat. Again and again, trenches went off the paved lines. Even though nature has already recovered a great deal, the trenches, as well as the shell holes, are still to be seen.

Ab und an kamen wir an Kommandostellen vorbei, die mehrere Meter in die Tiefe reichten und in den Fels gesprengt wurden. Teilweise konnten wir sie begehen, teilweise waren sie über die Jahre hinweg verschüttet.

From time to time we passed command posts, blown and reaching several meters deep down into the rock. We were able to enter some of them, but sometimes they were buried over the years.

Schließlich erreichten wir eine befestigte Stellung unterhalb des „Unteren Rehfelsens“. Große Kavernen wurden in den Fels gesprengt. Wir konnten die betonierten „Betten“ für die Generatoren und Motoren sehen und stolperten auch noch über eine hundertjährige Stromleitung die den Berg hinauf und hinabging. Gut versteckt am Waldboden. Schon damals wurde eine elektrischer Zaun eingesetzt.

Finally, we reached a fortified position below the „Unterer Rehfelsen“. Large caverns were blown into the rock. We could see the concrete „beds“ for the generators and engines and stumbled over a hundred-year-old power line going up and down the mountain. Well hidden by the forest floor. They used it during the war to electrify the fences.

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Auch die Erbauer haben sich hier verewigt.

The builders have also immortalized themselves here.

Überall und immer wieder: Stacheldrahtverhaue. Im Wald und an den Felsen. Vor allen Dingen, als wir die „Feste Scheufele“ erreichten, die den „Unteren Rehfelsen“ absicherte. Dort fanden wir einen kleiner Gipfel vor, der komplett ausgehöhlt wurde. Galerien, Unterstände, Mörserstellungen die nach oben wegfeuerten (quasi nur durch eine Öffnung im Fels) etc.

Everywhere and again and again: Barbed wire. In the forest and on the rocks. Above all, when we reached the „Feste Scheufele“, which secured the „Unterer Rehfelsen“. There we found a small summit, which was completely carved out. Galleries, subterstances, mortar positions that fired upwards (only through an opening in the rock) etc.

Von der Spitze des „Unteren Rehfelsens“ konnten wir sehen, weshalb diese Gegend strategisch wichtig war und weshalb sie so umkämpft wurde. Da wir schon weit in der Zeit vorangeschritten waren, die Kinder und meine Frau genug von steilen Aufstiegen in alten Schützengräben hatten (das war eigentlich alles anders geplant gewesen), ließen wir den Besuch der „Feste Bamberg“ aus. Wir sahen die Ruine einige hundert Meter über uns, doch der Familienrat entschied sich gegen einen Besuch. Wenn es Euch interessiert, dann schaut in den unten verlinkten Forenbeitrag nach.

From the top of the „Unterer Rehfelsen“ we could see why this area was strategically important and why they foughtso hard about it. Since we had already advanced far in time, the children and my wife had enough of steep ascents in old trenches (which had not been planned), we left the visit of the „Feste Bamberg“. We saw the ruin a few hundred meters above us, but the family council decided against a visit. If you are interested, then look at the link below.

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Beim Abstieg kamen wir wieder an Unterständen und auch (ehemaligen) Gräberstätten vorbei.

When we descended, we passed by again and again fortified positions and also (former) burial grounds.

Unweit unseres Parkplatzes machten wir dann noch einen Zufallsfund. Nur ca. 200 m entfernt entdeckten wir einen weiteren Unterstand. Über etwa vier Etagen gelangten wir in die Unterwelt (ca. 15m unter der Erde) dieses etwas anderen „Bunkers“. Wie es da aussah, zeigt dieses Handy-Foto.

Not far from our parking lot we made a random find. Only about 200 m away we discovered another dugout. We reached the underworld (about 15m below ground) of this somewhat different „bunker“ about four floors deep. This mobile phone photo shows how it looked.

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Hier ein interessanter Foren-Eintrag über eine viel größere Wanderung die unseren Ausflug beinhaltet.

Here is an interesting forum entry (in english language) about a much bigger hike which includes our excursion.

Als genauso unerschöpfliche Quelle wie Google entpuppt sich YouTube für mich. Tatsächlich gibt es ein Video von diesem Geländeabschnitt. Viel Spaß damit!

YouTube turns to be out as an as inexhaustible source as Google for me. In fact, there is a video of this terrain section. Have fun with it!

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Autor: P.

Als Mittvierziger (zum Zeitpunkt der ersten Veröffentlichung hier) sind die Filmplakate die sich auf der Startseite des Blogs befinden, "Kunstwerke" die meine Kindheit und Jugend geprägt haben. Dort sind wohl die Wurzeln meines Hobbys zu verorten. Schwarz-Weiß ist heute noch genauso beliebt, wie es in meiner Kindheit noch solche Übertragungsgeräte gab. ;) Und das Schöne an der Sache ist, es gibt dazu auch die passenden Spiele-Settings! Besucht meine Seite :) : https://histofantasyandpulp.wordpress.com/

3 Kommentare zu „Museumsbesuch – Elsass (1): Suisse Lippique“

    1. Ja, wir waren ebenfalls erstaunt! Ich habe hier nur einen Bruchteil der Aufnahmen (sonst platzt mir mein Speicherraum aus allen Nähten) eingestellt – um Interesse für die Gegend zu wecken. Meine jüngste Tochter hat sich noch ein hundertjähriges Souvenir mitgebracht. Als sie ihre Wanderschuhe auszog steckte in ihrer Sohle ein angerosteter Nagel von der Stiefelsohle (Nagelstiefel) eines Soldatenstiefels.

      Auf jeden Fall ist die Gegend einen Besuch wert!

      Gefällt mir

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